Neue Pleitewelle im Mittelstand

05.10.2009
Nach Einschätzung des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU) werden schätzungsweise 35.000 Unternehmen als Folge der derzeitigen Wirtschaftskrise das Jahr 2009 nicht überleben.

Vergleich zum Vorjahr

Das sind mehr als 8% gegenüber dem Jahr 2008. Zu diesem Ergebnis kommt der BDIU in seiner Frühjahrsumfrage, die im April 2009 veröffentlicht wurde. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen seien davon betroffen. Als Hauptproblem dieser Klientel wird deren unzureichende Liquidität angesehen. Die Gründe hierfür sind die mangelnde Zahlungsmoral der Kunden, die damit einhergehenden steigenden Zahlungsausfälle und die rückläufigen Auftragseingänge aus der Industrie.

Mangelnde Zahlungsmoral

Das schlechte Zahlungsverhalten betrifft laut BDIU-Umfrage grundsätzlich alle Wirtschaftsbereiche, angeführt von der Dienstleistungsbranche, dem Handwerk und dem Baugewerbe. Besonders symptomatisch sei, dass gewerbliche Schuldner unter hohen Zahlungsausfällen seitens der eigenen Kunden leiden. Der BDIU empfiehlt den Betroffenen gerade in einer solchen Situation, für ein professionelleres Liquiditätsmanagement zu sorgen. Dazu gehöre zum einen die zeitnahe Berechnung erbrachter Leistungen und eine sofortige Anmahnung überfälliger Rechnungen, zum anderen die Vereinbarung von Teil- oder Vorauszahlungen in bar. Zudem kann die Überprüfung der Bonität eines potentiellen Kunden bereits vor Beginn einer Geschäftsbeziehung vor größeren Zahlungsausfällen schützen.

Ausnutzung von Lieferantenkrediten

Ein weiteres Problem stellt das Ausnutzen des sogenannten Lieferantenkredits durch die gewerblichen Schuldner dar. Vor allem die aktuell schlechte Auftragslage ist laut Umfrage der Grund, warum vereinbarte Zahlungsziele bewusst nicht eingehalten werden. Vielen Unternehmen fehlt es an ausreichend Eigenkapital. Die absichtlich späte Zahlung offener Rechnungen verschafft ihnen einen Kredit, der um vieles zinsgünstiger ist als bei den Banken. Eine drastische Erhöhung der Verzugszinsen könnte vor dieser Praxis abschrecken.

Wege aus der Krise

Zum Überleben eines Unternehmens in der derzeitigen Krise werden vor allem folgende wichtige Maßnahmen genannt: Eine Auslagerung des Forderungsmanagements, die Verbesserung des betrieblichen Mahnwesens, die Intensivierung bestehender Kundenbeziehungen sowie mehr Initiative zur Neukundengewinnung.

Die Rolle der öffentlichen Hand

Als besonders problematisch wird das Zahlungsverhalten der öffentlichen Hand bezeichnet. Hier sei in den letzten sechs Monaten teilweise sogar eine Verschlechterung zu beklagen. Auf der anderen Seite müsse das Forderungsmanagement des öffentlichen Sektors ebenfalls verbessert werden. Daher sollten auch die öffentlichen Auftraggeber, so der BDIU, ihr Forderungsmanagement professionalisieren und gegebenenfalls externe Inkassounternehmen einschalten. So könnten sie ihrer Vorbildfunktion beim Zahlungsverhalten nachkommen und Vertrauen schaffen für einen Weg aus der Krise.
Quelle: Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V.
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